„Nein, einen Bauern wollte ich eigentlich nicht heiraten“. Die diese Bemerkung soeben gemacht hat, steht leicht gebückt, mit weisser Schürze und warmer Wollweste an einem Tisch im kühlen Kellerraum und stülpt mit flinken Fingern einen Darm über das Rohr der Wurstmaschine. Barbara Aliesch-Stiffler, gelernte Parfümerieverkäuferin, war in jungen Jahren der Meinung, dass „Bauern stinken“. Aber ihre Mutter habe ihr prophezeit: „Dass, woo d am wenigschtä witt, übärchuscht denn ämal.“ Sie bekam Recht, denn seit 20 Jahren ist die 45-jährige mit Hanspeter verheiratet, einem Bauern aus Luzein. Und sie selbst ist seither mit Leib und Seele Bäuerin.

Text & Bild

Marietta Kobald

Von Düften und anderem
An die verschiedenen Düfte eines Bauernhofs hat sich Barbara nicht nur gewöhnt, vielmehr könnte sie nicht mehr ohne sie leben. „Das ist meine Welt“, sagt sie, die jeden Tag zweimal im Stall anzutreffen ist, beim Misten, Melken und Füttern der 19 Kühe, 34 Schafe, 25 Lämmer und 2 Esel. Während sie dies alles erzählt, liegt ein anderer Duft in der Luft; die unbeschreibliche Duftmischung aus Knoblauch, Wein, Gewürzen und rohem Fleisch. Und nun entstehen aus dieser Mischung 200 dicke Würste, rotweiss gesprenkelte – Salsiz. Dann wartet der nächste, am Vortag zubereitete Wurstteig auf seine Verarbeitung. Er ist sichtlich feiner in der Konsistenz und riecht etwas anders. „Das ergibt etwa 100 Landjäger, äh, Luzeiner Brügäli“, erklärt Barbara und nimmt den ersten halben Meter Wurststrang in Empfang, der von ihrem Mann Hanspeter durch die Maschine getrieben wird.
Die beiden harmonieren gut, man spürt, hört und sieht es. Kein lautes Wort, nur ruhig konzentriertes Arbeiten; jeder weiss, was zu tun ist. „Nein, nein, für den Wurstteig ist Barbara verantwortlich, sie kann das besser“, antwortet Hanspeter auf die entsprechende Frage schmunzelnd, macht seiner Frau damit ein kleines Kompliment und doppelt mit einem grossen nach: „Wenn ich nicht eine Frau wie Barbara gefunden hätte, hätte ich den elterlichen Hof nicht übernommen.“

Grossfamilie mit Biobetrieb
Ein Bauernhof ohne Kinder? „Nein, nein, die sind bis auf den Jüngsten aus der Schule, in der Lehre oder haben schon eine gemacht“, gibt Barbara lachend Auskunft. Vier sind’s: Noah, Lea, Josi und der Jüngste, Simon. Die Familie Aliesch wohnt in einem alten, verwitterten, den heutigen Bedürfnissen angepassten Strickhaus zusammen mit Öhi Fluri, der im Dachgeschoss in einer gemütlichen, kleinen, extra für ihn gebauten Wohnung lebt. Hanspeters Eltern wohnen gleich daneben im neu errichteten Stöckli, in dessen Kellergeschoss nun gewurstet wird. Der Hofladä befindet sich beim Wohnhaus der beiden.
Barbara und Hanspeter betreiben ihren Hof, der 34 Hektaren Land umfasst, biologisch. „Das bedeutet, dass sogar die Zutaten für Salsiz, Luzeiner Brügäli und Ehnis Hauswurst biologisch sein müssen“, erklärt Barbara. Für die ungefähr 3 000 Würste, die das Paar in der kalten Jahreszeit fabriziert und verkauft, müssen drei Kühe und zwei Schweine geschlachtet werden. Acht Jungrinder, sogenannte Fresser finden, portioniert und verpackt hier im Hofladä ihre Abnehmer. Weitere 8 Fresser und 60 Lämmer werden für die Biofleisch-Kundschaft an Coop verkauft.

Konfitüre, Likör und Kräutertee
Derweil Barbara und Hanspeter die Würste abschnüren, steigt aus der Räukihütte draussen im Garten Rauch auf. „Das Räuchern der Würste übernahm ich von meinem Schwiegervater“, sagt die Bäuerin und streicht sich mit dem Handrücken eine Strähne ihres blonden Haar’s aus der Stirn.
In den Regalen im Hofladä stehen unzählige liebevoll dekorierte Konfitüregläschen; auch diese kocht Barbara selbst ein, neuerdings gibt’s sogar Kürbiskonfitüre, die auch ihre Jungmannschaft gerne mag, obwohl sie wegen Kürbis die Nase rümpft.  Daneben findet man hausgemachten Likör und Kräutertees.
Barbara, die nach ihrer Lehre zwei Jahre in Amerika als Aupair arbeitete und eigentlich nicht mehr zurück in die Heimat wollte, fühlt sich heute daheim in Luzein am wohlsten. Hobby? „Mein Hobby sind die Tiere, „so hann i alls in eim.“ Haus und Hof und Mensch und Tier. Barbara, Bäuerin mit Leib und Seele eben.

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