Eine herzliche Gastgeberin

Aussergewöhnlich ist alles hier oben im Bodä weit oberhalb Pany im Prättigau. Ein aussergewöhnlicher Nachthimmel mit tausenden von glitzernden Sternen, ein aussergewöhnlich gut schmeckendes Käsefondue, genossen in der heimeligen Stube der Bodähütte und mit der anschliessenden Pferdeschleipffahrt nach Pany, ein aussergewöhnlich romantisches Erlebnis auf dem Heimweg. 

Text & Bild

Marietta Kobald

Nichts Schöneres gibt’s, als an einem kalten dafür sternenklaren Winterabend den Weg Richtung Bodähütte unter die Füsse zu nehmen. Knirschend geht’s, Schritt um Schritt auf dem angenehm planierten Winterwanderweg durch die verschneite Landschaft dem Ziel entgegen. Warm leuchtet Kerzenschein vor der alten ehrwürdigen Hütte und zeigt den Gästen den Weg. Das Gepolter auf der Stallbrücke vor der Hütte, verursacht durch heftiges Stampfen der Gäste zwecks Schneeentfernung von den Winterstiefeln ruft zuverlässiger als jede Haustürglocke die Wirtin Dorli Roffler hervor. «Ja guätä Abet, siider scho da!», stellt sie fest, begrüsst alle herzlich und geleitet die sechsköpfige Gruppe in die warme Maiensässhütte. Am Holzherd steht Hans Roffler, der Ehemann von Dorli und schiebt eben ein Scheit auf die rotglühende Kohle im Holzherd. Zwei Caquelons stehen bereit, bis oben hin gefüllt mit der schon jetzt köstlich duftenden Käsemasse. Sie muss nur noch gut erwärmt und tüchtig umgerührt werden. Derweil entledigen sich die Gäste ihrer Winterkleidung, denn auch in der kleinen heimeligen Gaststube bullert ein Cheminéeofen und verströmt eine angenehme Wärme. Heisser Tee steht auf dem gedeckten Tisch parat und findet vor dem obligaten Weisswein erstmal dankbare Abnehmer.

Viele Wege 
Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. So ist auch die Bodähütte auf verschiedenen Wegen erreichbar. Von St. Antönien aus auf dem wunderbar angelegten Winterwanderweg ist man rund 2 Stunden unterwegs, startet man beim Skilift Pany dauert es etwa 1.5 Stunden. Skitourengänger, Schneeschuhläufer, aber auch Familien mit kleinen Kindern benutzen dieses gemütliche Berggasthaus gerne für eine Einkehr. Für den Heimweg stehen bei guten Schneeverhältnissen auch Schlitten, oder in der hiesigen Sprache, dem Walserdialekt, Gögel zur Verfügung. 

Das Ehepaar Roffler wirtet nun schon die 11. Wintersaison hier oben in ihrem Maiensäss. Jedes Jahr ab 26. Dezember bis 6. Januar ist durchgehend geöffnet und danach jeweils tagsüber an Wochenenden. Abends und an Wochentagen muss man sich anmelden, will man einkehren und die feine, selbstgemachte Gerstensuppe mit Hauswurst oder dieses köstliche Hirtenfondue geniessen, hergestellt beim «Bärgpur», einem für seine regionalen Spezialitäten bekannten Geschäft in Küblis. Hans ist normalerweise abends nicht hier, hat auf dem Hof in Luzein unten mit seinen 40 Stück Vieh im Stall genug Arbeit. So bewirtet Dorli bis zu 15 Gäste alleine und dies ist auch der Grund, warum nur zwei warme Angebote auf der Karte zu finden sind. Aber an den Wochenenden steht Hans in der Küche, bereitet die begehrten «Bodäplättli» zu, schneidet Alpkäse, Salsiz, Speck und Mostbröckli von den eigenen Tieren. «Paloma, Norberta und Lindi mussten dieses Jahr dran glauben», erzählt der Bauer. Na ja, ob alle Gäste diese Auskunft erhalten möchten, sei dahingestellt. Aber immerhin zeigt es, dass man hier noch weiss, woher das Fleisch stammt.

Nach dem Fondue der Höhepunkt
Die Wanderung durch die kalte Winternacht hat hungrig gemacht und so greifen sechs Hände gleichzeitig in die beiden Körbe mit Brotwürfeln, als Dorli aus der Küche ruft: «Seid ihr parat, das Fondue kommt!» Gabel um Gabel wird nun bestückt mit Brot eingetaucht in diese flüssige Käsespeise, des Lobes voll sind alle. Nach einer halben Stunde sind die Caquelons leer, einzelne versuchen noch die Käsekruste vom Boden zu heben, fischen Knoblauchstücke auf und verlangen nach einem «Schleipfägaffi», einem Kaffee mit speziellem Schnaps und Rahmhaube.

Dann aber schreiten die Gäste zum Höhepunkt des Abends, der Pferdeschleipffahrt. Leises Geläut ist bereits zu hören, als sich die Gäste wieder warm einpacken. Bis noch vor einigen Jahrzehnten hat man hier das im Spätherbst geschlagene Holz im Winter, wenn genügend Schnee lag, mit Pferden zu Tal gezogen, oder eben geschleipft. Daraus ist nun ein leicht abgewandeltes Angebot für Gäste entstanden. Schleipfer Otto Gurt spannt sein Pferd vor den Bocker, den Holzschlitten auf dem zwei kleinere, mit Querstreben verbundene Baumstämme aufliegen. Platz nehmen die Gäste aber nicht auf diesen, sondern auf darauf festgezurrten Sagexblöcken. Diese wärmen einerseits die Hinterteile der sechs Personen, die sich nun darauf gemütlich machen und sich auf Anweisung von Otto an den Gurten festhalten und wiegen andererseits fast nichts. Auf leises Zurufen von Otto setzt sich das Pferd schnaubend in Bewegung. Begleitet vom Gschäll, dem Gebimmel der Glöckchen am Halfter geht’s ein Stück auf demselben Weg zurück. Aber dann biegt das Ross links ab in einen Schneekanal, ähnlich einer Bobbahn und langsam steiler werdend. Je steiler desto schneller geht’s bergab, das Jauchzen der Passagiere nimmt zu. Gebremst wird nach traditioneller Art, mit einer Kette, die Otto nach kurzem Halt unter die Kufen schiebt. Herrlich stiebt der Schnee den Gästen um die Nasenspitzen, blinken glitzernde Sterne zwischen tief verschneiten Tannenwipfeln hervor. Das Dorf Pany ist in Sichtweise, viel zu schnell sind die 30 Minuten vergangen. Zum Trost erhalten alle von Otto noch einen tüchtigen Schluck echten Prättigauer Röteli!

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