Von Rädern, Rollen und Kufen

In Jenaz beim Schulhaus im Feld befindet sich einer von bisher drei Pumptracks der Schweiz und der einzige aus Beton. Diese Art der Fortbewegung mit einem Bike boomt in der Szene stark. Man versucht ohne zu pedalieren auf einem kleinen mit Hügeln und Steilkurven gespickten Kurs durch dynamisches Drücken und Ziehen des Bikes an Geschwindigkeit zu gewinnen. Zu verdanken hat das Prättigau diese Anlage einem Spezialisten in der Bike Szene, dem vierfachen Downhill-Schweizermeister Claudio Caluori, wohnhaft in Jenaz. 

Text & Bild

Marietta Kobald

Früher Nachmittag. In Jenaz steht die Haustüre weit offen. Rucksäcke, Sporttaschen, Veloschuhe und –helme sind in einer Ecke im Hausgang neben einem Terrarium gestapelt. In der Küche steht Claudio Caluori mit seinem Handy  am Ohr. Er ist in ein intensives Gespräch verwickelt, redet von Beton, lehmigem Material, von Pumptrack, Wellen und Steilwandkurven. Caluori unterbricht das Gespräch, verspricht in zwei Stunden zurück zu rufen. Und nun sitzen wir am Küchentisch und Claudio verschafft mir erzählerisch Einblick in sein Tun. Kurz gefasst hat sich der 34-jährige sympathische und grossgewachsene Mann dem Sport verschrieben. Weniger kurz geht so:  vierfacher Downhill CH-Meister, dreifacher Dualslalom CH-Meister, Manager für das Downhill-Team von Scott , Streckenbauer für Bikeparks, Crashed Ice Coach und Streckentester für Red Bull und seit vier Jahren Vater.

Vom Eishockey zum Downhill

Die ausführliche Version lautet folgendermassen: Claudio Caluori ist Zürcher, dort geboren und aufgewachsen,  gemeinsam mit seiner Schwester. Aber wie’s der Name Caluori schon sagt; seine Eltern stammen aus Bonaduz und Rhäzüns haben berufshalber in jungen Jahren den Kanton gewechselt. Naheliegend, dass Kleinclaudio seine Ferien- und Freizeit bei Tata und Tat in Bonaduz und im Maiensäss in Scardanal verbrachte. Der grosse Claudio wohnte später in Scuol, zog aber wieder nach Zürich und nun, weil er inzwischen Familie hat, ist er in Jenaz gelandet, in einem alten Strickhaus mit viel Umschwung.

Während neun Jahren, bis 1993 spielte Claudio bei Kloten Eishockey. Von Eishockey zu Downhill? „Weil die Fahrten zum Training für meine Eltern zu aufwendig wurden, schenkten sie mir ein Mountainbike“, erklärt Claudio seinen sportlichen Wandel. Ab 1993, als Gymnasiast, fuhr er erst Crosscountry und nach der Matura, ab 1997 setzte er alles auf eine Karte und fuhr nur noch Downhill. Bereits zwei Jahre später wurde er erstmals CH-Meister in Laax und drei Jahre später erreichte er am Weltcup in Kanada den vierten Rang worauf er besonders stolz ist. „Anfänglich arbeitete ich um über die Runden zu kommen in einem Velogeschäft, aber ab 2002 konnte ich vom Sport leben,“ erklärt er. Bis vor vier Jahren fuhr Claudio aktiv Downhill-Rennen. „Ich habe in dieser Zeit extrem viel erlebt, konnte auf der ganzen Welt herum reisen“, sagt er und erzählt wie er zum Streckenbauer wurde:  1998 in San Diego hätten er und ein Kollege mitten im Niemandsland eine Trainingsstrecke gebaut, natürlich ohne Bewilligung. Der Anderson-Truck Trail ist heute eine sehr beliebte und viel benutzte Strecke, –auf Youtube sind dazu unzählige Filme zu sehen. „Heute ist dieser Kollege mein Konkurrent; er managt das Team mit dem Weltmeister“, erzählt Claudio lachend.

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